5 Schritte zum guten Buch.
Ein Buch ist wie ein Investment.
Und wie jedes gute Investment braucht es Zeit, bis es sich bezahlt macht.
Der erste Entwurf darf schlecht sein. Er muss es sogar sein. Seine einzige Aufgabe ist es, zu existieren.
Wenn dein erster Entwurf schlecht ist, ist das kein Zeichen dafür, dass dein Buch schlecht ist. Es ist ein Zeichen, dass du mittendrin bist.
Ein schlechter, fertiger Entwurf ist besser als ein perfekter, unfertiger.
Denn wenn du „Ende“ unter deine Geschichte geschrieben hast, kannst du überarbeiten, kürzen, verbessern.
Dein erster Entwurf ist schlecht?
Das kannst du als Ausrede nutzen oder als Motivation.
Der erste Entwurf ist nicht dein fertiges Buch – er ist das Material, aus dem du dein Buch machst.
Mit Handwerkszeug.
Ja, du hast richtig gelesen. Schreiben ist ein Handwerk.
Das du lernen kannst.
Und genau hier setzen wir an.
Damit dein erster Entwurf ein gutes Buch, ein gutes Investment wird und die Zeit, die du da rein steckst, nicht umsonst ist, solltest du die folgenden 5 Punkte beachten.
Wenn du diese Punkte befolgst, dann investierst du deine Zeit gut.
Du wirst deine Texte verbessern. Du wirst deine Geschichte verbessern.
Und dein Buch wird deine Leser begeistern.
Wie du das als Autor machst, zeige ich dir hier.
Der 5-Punkte-Plan für ein Buch, der Leser begeistert.
Lass uns loslegen.
1. Prüfe die Grammatik
Das klingt vielleicht öde. Aber die Grundregeln der Grammatik solltest du kennen und anwenden.
Es gibt zahlreiche Tools, die dich dabei unterstützen, damit die Grammatik korrekt und deine Texte richtig geschrieben sind.
Warum ist das wichtig? Damit dein Text verstanden wird.
Ein Beispiel gefällig?
Wie ein fehlendes „e“ oder ein Vertippen den Sinn deines Satzes verändert:
Ich bin bereit. → Ich bin vorbereitet.
Ich bin breit. → Ich bin betrunken.
„Ich habe die Prüfung bestanden.“
„Ich habe die Prüfung gestanden.“ → ?
Was ein Beistrich ausmacht:
Ich liebe dich nicht Lisa. Oder: Ich liebe dich, nicht Lisa.
Wir essen jetzt Klaus. Oder: Wir essen jetzt, Klaus.
2. Sei geizig mit Adjektiven
Adjektive wirken auf den ersten Blick wie das Gewürz der Sprache.
Du gibt ein bisschen „spannend“, „wunderschön“ oder „extrem“ hier und da hinzu und schon wird ein Text lebendig. Denkste.
Genau hier liegt die Gefahr: Wer zu großzügig würzt, überdeckt schnell den eigentlichen Geschmack des Satzes. Die Geschichte wird überfrachtet.
Ein häufiger Fehler beim Schreiben ist die Überfüllung mit Adjektiven.
Plötzlich ist nicht nur ein Haus da, sondern ein „großes, altes, dunkles, geheimnisvolles“ Haus.
Nicht nur eine Frau geht durch den Raum, sondern eine „schöne, elegante, zierliche, faszinierende“ Frau.
Das Problem dabei: Je mehr Eigenschaften man anhäuft, desto weniger bleibt im Kopf hängen.
Starke Texte leben oft nicht von vielen Adjektiven, sondern von starken Verben und klaren Bildern.
Statt zu schreiben „Er lief schnell und hektisch die dunkle, enge Straße entlang“, wirkt „Er rannte durch die Gasse.“ kraftvoller.
Beachte: Weniger beschreibende Adjektive bringen mehr Bewegung in den Kopf der Leser.
Adjektive sollten deshalb nicht Standard, sondern Entscheidung sein.
Jedes einzelne Adjektiv sollte eine Aufgabe erfüllen: entweder eine präzise Information liefern oder eine gezielte Stimmung verstärken.
Alles andere ist Dekoration – und Dekoration kann schnell zur Ablenkung werden. Ist unnütz.
Gutes Schreiben bedeutet nicht, möglichst viel zu sagen, sondern möglichst genau.
Manchmal ist das stärkste Adjektiv genau das, das man weglässt.
Und dein Text gewinnt dadurch an Stärke.
3. Lass die doppelte Verneinung weg
Schreib immer so, dass es klar ist, was du sagen möchtest. Immer.
Es ist total schlecht, wenn du bei deinen Leser ein großes „Hääh?“ erzeugst.
Warum?
Ganz einfach: Wenn er sich nicht auskennt, klappt der Leser das Buch zu und legt es weg.
Darum meine Empfehlung: Schreib so einfach, dass es jeder sofort versteht.
Formuliere so klar, dass niemand nachdenken muss.
Schreib auf den Punkt – ohne Umwege.
Mach es so simpel wie möglich.
Natürlich sind deine Leser nicht dumm.
Doch das Gehirn des Menschen ist eins: faul.
Und wenn es die Wahl hat, dann wählt es den Weg des geringsten Widerstands und sucht sich einen anderen Text aus. Und glaub mir, es gibt immer eine Alternative, ein anderes Buch, eine andere Website, … und schwupps weg ist der Leser.
Hüte dich vor der Frage: „Was will der Autor damit sagen?“
Hier einige Beispiele:
„Ein Text entwickelt sich nicht positiv, wenn du ihn nicht mit positiven Formulierungen versiehst.“
Besser: „Ein Text ohne positive Formulierungen wird schlechter.“
„Sie war nicht ohne Hoffnung.“
Besser: „Sie hatte Hoffnung.“
Anmerkung: noch besser wäre: „Sie hoffte darauf, …“ (warum erkläre ich dir in einem anderen Blogbeitrag).
„Er war nicht gerade jemand, der nicht wusste, wie man sich in schwierigen Situationen zu behaupten hatte, auch wenn er sich nach außen hin selten als besonders entschlossen zeigte.“
Besser: „Er wusste genau, wie man sich in schwierigen Situationen behauptet, auch wenn er nach außen hin selten entschlossen wirkte.“
„Es war nicht so, dass sie nicht bemerkt hätte, wie sich die Stimmung im Raum veränderte, doch sie tat nichts, um dem unausgesprochenen Unbehagen entgegenzuwirken.“
Besser: „Sie bemerkte sehr wohl, wie sich die Stimmung im Raum veränderte, griff jedoch nicht ein, um das Unbehagen zu lösen.“
Achte auf doppelte Verneinungen in deinen Texten und verwende einfache, aber starke Formulierungen.
Anstatt etwas doppelt zu verneinen, kannst du es einfach einmal bejahen.
4. Schreibe klar, bildhaft und kurz
Lies deine Geschichte aufmerksam durch.
Achte auf Verständlichkeit. Sind deine Sätze bildhaft?
Lässt du dem Leser Raum, so dass Bilder in seinem Kopf entstehen?
Sind deine Sätze kurz und klar?
Gutes Schreiben ist kein Wettlauf um die meisten Wörter.
Es ist eher wie ein scharfes Foto: klar, fokussiert und ohne unnötige Unschärfe.
Wer kurz, bildhaft und klar schreibt, zwingt den Leser nicht, sich durch einen Text zu kämpfen – er führt ihn hindurch.
Kurz bedeutet nicht oberflächlich.
Es bedeutet, alles Überflüssige wegzulassen.
Viele Sätze scheitern nicht an dem, was fehlt, sondern an dem, was zu viel ist.
Ein Beispiel:
„Er war in einem Zustand großer Müdigkeit und konnte seine Augen kaum offen halten.“
Kurz gesagt: „Er konnte die Augen kaum offen halten.“
Die zweite Version ist kein Verlust – sie ist ein Gewinn an Klarheit.
Bildhaft bedeutet sichtbar.
Statt abstrakter Begriffe funktionieren konkrete Bilder besser.
Nicht: „Es war ein anstrengender Tag.“
Besser: „Der Tag drückte schwer auf seine Schultern.“
Solche Bilder bleiben hängen, weil sie im Kopf einen Film entstehen lassen.
Klar bedeutet eindeutig.
Ein guter Satz hat keine versteckten Stolperfallen. Der Leser soll nicht rätseln, sondern verstehen. Klarheit entsteht oft durch einfache Struktur: Subjekt – Verb – Objekt. Ohne Umwege, ohne Nebel.
Kurz, bildhaft und klar zu schreiben heißt nicht, sich einzuschränken. Es heißt, bewusster zu wählen.
Jeder Satz wird zur Entscheidung:
Brauche ich dieses Wort wirklich?
Entsteht dadurch ein Bild?
Wird es dadurch verständlicher?
Denn am Ende gilt:
Ein guter Text ist nicht der längste, sondern der, der sofort verstanden wird und ein Bild im Kopf des Lesers erzeugt.
Wenn du den Leser respektierst – und das solltest du – dann redigiere immer nach folgenden Kriterien:
- Ist der Satz klar?
- Ist der Satz bildhaft?
- Ist der Satz kurz?
5. Zeige, statt zu erzählen
Der ultimative Tipp, den fast jeder Autor zu spät bekommt.
Wenn ich ein Manuskript aufschlage und auf der zweiten Seite lese: „Sie war traurig“, dann weiß ich: Hier gibt es Arbeit. Nicht weil der Satz falsch ist. Sondern weil er dem Leser die Erfahrung vorenthält. Trauer lesen ist nicht dasselbe wie Trauer fühlen.
Wie kannst du es besser machen?
„Er war wütend“ erzählt.
„Er schlug die Tür so hart zu, dass der Rahmen zitterte“ zeigt.
Beim Zeigen lässt du den Leser selbst schlussfolgern. Das erzeugt Nähe, Spannung, Mitgefühl.
Beim Erzählen nimmst du ihm die Arbeit ab – und damit auch das Erlebnis.
Wenn du nun versuchst den Satz „Sie war traurig.“ anders zu formulieren, zu zeigen statt zu erzählen.
Was könntest du schreiben?
Halte kurz inne, bevor du weiterliest. Fällt dir eine bessere Formulierung ein?
Hier einige Vorschläge, wie man zeigen kann, dass sie traurig ist, ohne es zu erzählen:
- Sie starrte lange aus dem Fenster, während ihre Kaffee kalt wurde.
- Ihre Schultern sanken nach unten, und sie wischte sich hastig über die Augen.
- Sie antwortete nur noch einsilbig und vermied jeden Blickkontakt.
- Der Brief lag zerknittert in ihrer Hand, ihre Lippen zitterten leicht.
- Sie zog die Knie an, umschlang sie mit den Armen und hörte das Lied in Dauerschleife.
- Ein leises Seufzen entwich ihrem Mund, während sie die Nachricht las.
Wann erzählen trotzdem richtig ist.
Zeigen kostet Platz. Nicht jeder Moment braucht eine ausführliche Szene.
Übergänge, Zeitsprünge, Nebenfiguren – da darf auch erzählt werden.
Die Kunst ist, zu unterscheiden was wird erzählt, was wird gezeigt?
Überlege im Vorfeld: Was ist erzählenswert genug, um es zu zeigen?
Alles andere darf zusammengefasst, also erzählt werden.
Eine Übung für dich:
Such in deinem Manuskript nach den Wörtern „war“, „fühlte“ und „schien“. Jedes Mal, wenn danach eine Emotion, also beispielsweise „traurig, wütend, empört, …“ steht, frag dich: Wie würde diese Emotion aussehen, klingen, sich anfühlen – von außen beobachtet?
Schreibe, was ein Beobachter sieht. So zeigst du die Emotion deiner Figur, das ist besser als sie zu erklären.
Formuliere den Satz neu, als wäre er eine Filmszene.
Hier ein Beispiel:
„Sie war nervös.“
Frage dich:
- Was würdest du sehen, wenn eine Frau vor dir steht, die nervös ist?
- Was würde der Körper der Frau tun?
- Was passiert konkret in der Situation?
Formuliere den Satz neu, ohne „nervös“ direkt zu benutzen.
TELL: „Sie war nervös.“
SHOW: „Sie spielte mit ihrem Ärmel und sah immer wieder zur Tür.“
Was sind deine Erfahrungen bei der Überarbeitung deiner Geschichte?
Haben dir meine 5 Punkte geholfen, deinen Text zu verbessern?
Bevor du jetzt kalt Hände bekommst und deinen ersten Entwurf in den Müll wirfst: Bleib dran.
Es gibt Leute, die unterstützen dich bei deinem Projekt.
Wenn du glaubst, dass das Schreiben deines Buches eine Herkulesaufgabe ist, die du nie schaffst.
Dann hol dir Hilfe.
Ein freier Lektor, eine freie Lektorin helfen dir bei der Überarbeitung.
Nein, sie schreiben deinen Text nicht für dich um.
Aber sie zeigen dir, wie und wo du was verbessern kannst.
Lass dir Zeit, Rom wurde auch nicht in einem Tag erbaut.
Aber es wurde erbaut. Und so wie viele andere auch, kannst du dein Buch schreiben.
Und wenn ich dir dabei helfen soll, deine Geschichte zu verbessern, lass es mich wissen.
Schreib mir gerne über das Kontaktformular oder an office@textagentur-schmitt.at – ich freue mich auf deine Anfrage.
Weitere Tipps, wie du deinen Text verbessern kannst, findest du hier:









