Verschlimmbessern

Kennst du das Gefühl? Du hast einen Text geschrieben, der rund läuft. Die Sätze fließen, die Aussage sitzt.

Doch beim nächsten Durchlesen, änderst du dies und das.
Und dann überarbeitest du ihn noch einmal. Und noch einmal.

Und plötzlich ist der Text zwar voller neuer Formulierungen – aber irgendwie ist es nicht mehr das, was du sagen wolltest.

Herzlich willkommen in der Welt des Verschlimmbesserns.



Der Begriff VERSCHLIMMBESSERN ist so schön wie das Problem dahinter heimtückisch ist.

Verschlimmbessern bedeutet, etwas in der guten Absicht zu verbessern und dabei aber schlechter zu machen.

Es passiert Anfängerinnen. Es passiert erfahrenen Autorinnen.
Und es passiert besonders gerne dann, wenn man seinen eigenen Text zu gut kennt.

Hier sind drei Warnsignale, auf die du beim Überarbeiten achten solltest:

  1. Der Text klingt nicht mehr nach dir. Du hast so viele Sätze umgebaut, dass deine eigene Stimme darin verschwunden ist. Was vorher lebendig und persönlich klang, liest sich jetzt wie ein Handbuch für Staubsauger.
  2. Du änderst dieselbe Stelle zum dritten Mal in die Ausgangsversion zurück. Das ist kein Zufall. Das ist dein Instinkt, der dir zuflüstert: Es war vorher besser.
  3. Jeder neue Satz ist länger als sein Vorgänger. Aus „Sie schreibt gern.“ wird „Sie legt großen Wert auf das geschriebene Wort und bringt diesem eine tiefe Leidenschaft entgegen.“ Klingt nach mehr – sagt aber weniger.


Das Verschlimmbessern hat eine psychologische Wurzel:
Wir glauben, dass mehr Aufwand automatisch mehr Qualität bedeutet. Wer lange überarbeitet, muss doch einen guten Text produzieren, oder?

Nicht zwingend.

Manchmal ist der erste Entwurf der bessere. Er ist nah dran an dem, was du wirklich sagen wolltest. Jede weitere Überarbeitung filtert, poliert, glättet und nimmt dabei manchmal das weg, was den Text lebendig gemacht hat. Am Ende fehlen die Ecken, die Persönlichkeit, der Rhythmus.

Mach nach dem ersten Überarbeitungsdurchgang eine Pause, mindestens eine Nacht.

Lies den Text dann laut. Was holprig klingt, darf weg oder wird geändert.
Was sich gut anfühlt: Finger weg. 

Nicht jede Stelle muss verbessert werden. Manches ist bereits gut genug.

Und wenn du merkst, dass du seit einer Stunde einen Absatz nur mehr im Kreis drehst, dann ist das ein Zeichen dafür, dass du längst fertig bist.

Ein guter Text muss nicht perfekt sein. Er muss beim Leser ankommen.

Und ein guter Lektor, hilft dir dabei, den Unterschied zu erkennen, also zu sehen, ob dein Text noch überarbeitet werden sollte oder wann es Zeit ist, deine Arbeit am Text zu stoppen, und zwar dann, wenn dein Satz am stärksten ist.

Wenn du noch Fragen hast:

Schreib mir gerne über das Kontaktformular oder an office@textagentur-schmitt.at – ich freue mich auf deine Anfrage.

Herzlichst,
deine Traude

Waltraud Schmitt

P.S.: Du möchtest wissen, wie du selbst dein Korrektorat verbessern kannst? Hier zeige ich dir, wie’s geht:

Schreib mir, wenn du Fragen hast.